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Blog: Modefairarbeiten.de

Blog 2015

FEMNET verpflichtet sich zu Transparenz gemäß der Initiative Transparente Zivilgesellschaft

Zeitschrift WIR FRAUEN Hef 3/2011: Billig ist ungerecht

Der feministische Verein FEMNET e.V. setzt sich für eine sozialgerechte Textilindustrie ein – und sucht das Gespräch mit deutschen Modeschulen

 

Text: Anna Hoff

 

Es ist Samstag. Die Sonne lacht, der Himmel ist blau. Endlich Wochenende! Endlich Zeit, mal wieder durch die Geschäfte zu bummeln und den Kleiderschrank aufzufüllen. Erste Station: H&M, na klar! Die Schlange vor den Kabinen ist lang. Egal, die Vielzahl an T-Shirt-, Rock- und Jeanskollektionen ist beispiellos, da wartet man gerne. Außerdem steht H&M synonym für besonders billig. Das Standard-T-Shirt, das das schwedische Modehaus in allen Farben dieser Welt für 4,95 Euro an die Frau und den Mann bringt, kostet in der Produktion 1,35 Euro. Für diesen Preis bezahlt die Textilarbeiterin in Bangladesch. Ihr Lohn pro T-Shirt: 5 Cent, 42 Euro im Monat für Akkordarbeit bis zu 100 Stunden die Woche. Gewerkschaftlich oder betrieblich organisieren darf sie sich nicht – zumindest wird es nicht gerne gesehen. Die Produktion muss laufen, die Konkurrenz in China und Indien schläft nicht und das von den Auftraggeber/innen – meist europäischen oder amerikanischen Unternehmen – vorgegebene Produktionstempo erhöht sich stetig.

 

Um jene Textilarbeiterinnen, die hauptsächlich auf der Südhalbkugel Kleidungsstücke für global agierende Unternehmen und damit auch für Konsument/innen in Deutschland produzieren, dreht sich zurzeit die Arbeit von FEMNET e.V. Rund 20 Frauen, quer durch die Bundesrepublik verteilt, beleuchten seit 2007 die die feministische Perspektive auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und setzen sich für soziale Rechte im internationalen Kontext ein. Ihr aktueller Fokus: Frauen in der Modeindustrie. Weltweit sind in diesem Sektor mehrheitlich Frauen beschäftigt – teilweise bis zu 90 Prozent. Ihre Arbeitsbedingungen – ganz gleich ob hierzulande bei KiK an der Kasse oder in Dhaka an der Nähmaschine – sind oftmals prekär: niedrige Löhne, unbezahlte Überstunden, keine Organisationsfreiheit, Diskriminierung am Arbeitsplatz, unsichere Beschäftigungsverhältnisse. FEMNET e.V. will Bewusstsein schaffen für die Missstände in der Textilindustrie, für die strukturellen Zusammenhänge, für den Konsum.

 

„Unser Verbraucherinformationsgesetz ist ein Skandal! Es funktioniert nicht“, sagt Gisela Burckhardt, Vorsitzende von FEMNET e.V. Selbst wer sich informieren will, muss lange recherchieren, um die tatsächliche Herkunft eines Kleidungsstücks zu rekonstruieren. Die Produktionskette in der Modebranche ist untransparent. Aufträge werden an Sub-Sub-Sub-Unternehmen weitergegeben und die Namen der Betriebe möglichst geheim gehalten. An dieser Stelle fordert FEMNET e.V. gemeinsam mit Germanwatch und anderen Nichtregierungsorganisationen in einer europaweiten Kampagne für EU-Reformen zur Unternehmensverantwortung: „Rechte für Menschen, Regeln für Unternehmen.“ Dafür nutzten die FEMNET-Frauen alle klassischen Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit: Sie halten Vorträge, verteilen Flyer, beteiligen sich als Mitglied der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) an bundesweiten Aktionen, informieren über ihre Internetseite www.femnet-ev.de.

 

Deutschland gilt als bedeutender Modestandort. Große Marken wie s.Oliver, Escada, Hugo Boss, Joop und Gary Weber haben ihren Sitz in der Bundesrepublik. Hier entstehen die Schnitte für die nächste Kollektion, hier entscheidet sich, welcher Zulieferbetrieb den Zuschlag für die Produktion bekommt. An rund 50 modebezogenen Bildungseinrichtungen in 30 Städten in Deutschland waren im Wintersemester 2009/2010 rund 2.800 Studierende immatrikuliert. Und weil die Lernende von heute die Modemacher/innen von morgen sind, gilt es, sie über die globale Produktionskette zu informieren und ihr Bewusstsein für ökologische und soziale Arbeitsbedingungen zu schärfen. Dies will FEMNET e.V. mit seinem neuen Projekt „Fair Schnitt – studieren für eine sozialgerechte Modeindustrie“ erreichen. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung sucht die Projektverantwortliche Steffi Holz das Gespräch mit modebezogenen Bildungseinrichtungen. Ziel ist es, das Thema „Soziale Verantwortung in der Modebranche“ zum Standardlehrstoff zu machen.

 

Für weitere Informationen: www.femnet-ev.de.


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