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Cover des FEMNET-Solifonds-Flyer

FEMNET verpflichtet sich zu Transparenz gemäß der Initiative Transparente Zivilgesellschaft

READ-Projektvorschlag: Unterstütze den Kampf gegen moderne Sklaverei

Sumangali ist eine besonders extreme Form der Ausbeutung von Arbeiterinnen in der Textilindustrie. Die Unternehmen schließen dabei mit den Eltern mehrjährige Arbeitsverträge für deren oftmals minderjährige Töchter ab, wobei ein großer Teil des Lohns erst nach Ende des Vertrages gezahlt wird. So sollen die Mädchen in die Lage versetzt werden, den geforderten Brautpreis an die Familie des Bräutigams zu zahlen und somit auch Mädchen aus armen Familien eine Heirat ermöglichen („Sumangali“ heißt übersetzt in etwa „Glückliche Braut“). Über 60 Prozent der Sumangali-Arbeiterinnen gehören den sogenannten Unberührbaren und den unteren Kasten an. Eine Mitgiftforderung ist in Indien zwar gesetzlich seit 1961 untersagt, gehört bei vielen Familien jedoch noch immer zum Alltag.

Während der Vertragslaufzeit wohnen die Mädchen in Hostels, meist auf dem Gelände der Spinnereien. Sie bekommen ein Taschengeld von etwa 20 Euro im Monat - abzüglich der Kosten für Unterkunft und Verpflegung - und das Versprechen einer „Bonuszahlung“ zwischen 500 und 800 Euro nach Ende des Vertrages. Erzwungene Überstunden, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, mangelnde Sozialleistungen sowie physische und psychische Misshandlungen durch Vorgesetze sind an der Tagesordnung. Viele Mädchen klagen als Folge über massive Gesundheitsprobleme. FEMNET hat bereits mehrfach auf die krassen Missstände in den Spinnereien der indischen Provinz Tamil Nadu aufmerksam gemacht, zuletzt anlässlich einer Speakers-Tour zusammen mit zwei indischen Expertinnen unserer Partnerorganisationen im Mai diesen Jahres. Im Rahmen dessen hatten FEMNET und die Kampagne für Saubere Kleidung eine Fachtagung einberufen, um mit Mitgliedern des Textilbündnisses (darunter Unternehmen, Gewerkschaften und Vertreter _innen des BMZ) über einen neuen Ansatz für eine Multistakeholder-Initiative zu beraten, der von indischen NGOs erarbeitet wurde und eine sektorweite Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie die Beseitigung des Camp-Labour-Systems zum Ziel hat.

Die FEMNET Partnerorganisation READ, eine Nichtregierungsorganisation (NRO), die schon lange zu dem Thema Sumangali arbeitet, hat FEMNET ein kleines Projekt vorgeschlagen, mit dem die Ausbeutung durch das Camp-Labour-System in der indischen Provinz Tamil Nadu bekämpft werden kann.

Die zwei strategischen Ziele des Projektes sind

  1. Das Sumangali-System in der breiten Öffentlichkeit, bei betroffenen Familien sowie bei zentralen Akteuren in Zivilgesellschaft und Unternehmen bekannt machen und damit ein Bewusstsein für die Probleme schaffen
  2. Politische Kampagnen- und Lobbyarbeit leisten und einen Bericht mit Empfehlungen veröffentlichen, wie auf Bundesebene ein Politikwechsel zu erreichen ist, der dem Camp Labour/Sumangali-System ein Ende bereitet

Um diese Ziele zu erreichen, wird READ eng mit Frauen zusammenarbeiten, die in den Spinnereien unter dem Camp-Labour-System gearbeitet haben, sowie mit deren Familien; außerdem mit Gewerkschaften, Frauenrechtsorganisationen und anderen NROs sowie mit Sozialarbeiter_innen. Zusammen mit diesen will READ in vier Distrikten von Tamil Nadu Kampagnenarbeit leisten, u.a. durch Demonstrationen, Straßentheater und eine Petition gegen Camp Labour mit mindestens 25.000 Unterschriften, die an Politiker auf Bundesebene und das Arbeitsministerium geschickt werden soll. Insbesondere ist eine eintägige Konferenz auf Landesebene (Tamil Nadu) geplant, auf der Regierungsvertreter_innen, Jurist_innen, Wissenschaftler_innen, Gewerkschafter_innen und Vertreter_innen von Nichtregierungsorganisationen über mögliche Wege aus dem Sumangali-System und insbesondere die mangelnde Umsetzung bestehender Gesetze diskutieren sollen. Hier sollen Empfehlungen formuliert und auf dieser Grundlage ein Bericht ausgearbeitet werden, der konkrete Vorschläge unterbreiten soll, wie das Sumangali System beendet werden kann.

Diese Empfehlungen werden im Anschluss durch READ und seine Partner_innen weiterverbreitet und an die relevanten politischen Akteure kommuniziert. Durch aktive Kampagnenarbeit soll gewährleistet werden, dass die Regierung den Empfehlungen folgt, und geltendes Arbeitsrecht durchsetzt und die Rechte von Frauen und Jugendlichen in der Textilindustrie stärkt.

FEMNET ruft alle Mitglieder und Unterstützer_innen dazu auf, READ durch Spenden in diesem wichtigen Projekt zu unterstützen und der systematischen Ausbeutung von Frauen und Mädchen durch das Sumangali-System so ein Ende zu bereiten!

 

Stand: 12.07.2016

 

 


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