07.12.2015: Internationaler Tag der Menschenrechte – Clean Clothes Campaign fordert Existenzlohn für kambodschanische Textilarbeiter_innen

Sophorn YangSophorn YangKambodschanische Gewerkschafterin Sophorn Yang berichtet an Modehochschulen in Deutschland über die Arbeitskämpfe in und um Phnom Penh

Am 10. Dezember ist der Internationale Tag der Menschenrechte – die UN erinnert an die Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Die Clean Clothes Campaign (CCC) führt rund um diesen Tag Aktionen zur Unterstützung der Forderung einer Gewerkschaftskoalition in Kambodscha nach einem Mindestlohn von 177 US$, der durch die multinationalen Modeunternehmen sicherzustellen ist, durch.

Trotz des Einspruchs einiger Gewerkschaften, soll der Mindestlohn ab Januar 2016 für 700.000 Arbeiter_innen der Bekleidungsindustrie nur um US$ 12,- auf US$ 140,- erhöht werden, obwohl die Lebenshaltungskosten stark angestiegen sind. Diese unzureichende Lohnerhöhung ist ein Schlag ins Gesicht für Arbeiter_innen, die sich seit über einem Jahr für einen fairen Mindestlohn von mindestens US$ 177 einsetzen.

Gewerkschaften finden sich in einer Koalition zusammen und fordern gemeinsam die Modeunternehmen auf, sofort sicherzustellen, dass bei ihren kambodschanischen Zulieferern ein Mindestlohn von 177 US$ gezahlt wird und dass sie direkt mit kambodschanischen Gewerkschaften ein verbindliches Abkommen aushandeln zur Umsetzung eines Existenzlohns, annehmbaren Einkaufpraktiken, festen Beschäftigungsverhältnissen und für Gewerkschaftsrechte auf Dauer.

Auf Einladung von FEMNET e.V. und des Deutsch Khmer Freundschaft e.V. berichtet die Gewerkschafterin Sophorn Yang – Vorsitzende der unabhängigen Näherinnengewerkschaft CATU und des Gewerkschaftsdachverbandes CCU – in Vorträgen vor Studierenden modebezogener Studiengänge über die Hintergründe. Zukünftige Modemanager_innen, Modedesigner_innen, Produktentwickler_innen erfahren aus erster Hand von 14-Stunden-Arbeitstagen, regelmäßigen Ohnmachtsanfällen von Näherinnen (99% der Angestellten in den kambodschanischen Nähfabriken sind Frauen) sowie aktuellen Gesetzesinitiativen zur Behinderung der Gewerkschaftsarbeit. Sophorn Yang fordert: „Die Gewerkschaftsarbeit darf nicht weiter behindert werden! Unsere Forderung nach einem Mindestlohn von 177 US$ ist bereits ein Kompromiss! Die Asia Floor Wage Campaign hat für Kambodscha einen Existenzlohn von 283$ berechnet.“ Gegen Sophorn Yang läuft in Kambodscha ein Gerichtsverfahren, in dem ihr die Verantwortung für den Tod von Gewerkschafter_innen bei den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten der letzten Zeit angelastet wird.

Seit Ende 2013 fordern Arbeiter_innen in Kambodscha eine Erhöhung des Mindestlohns auf 177 US$, um endlich wichtige Schritte in Richtung eines tatsächlichen Existenzlohns zu gehen. Anfang Januar 2014 eskalierte es bei Demonstrationen als die Polizei und das Militär gegen die Lohnproteste vorging. Fünf Personen wurden getötet, 23 verhaftet und viele andere verletzt.


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