24.08.2013: 4 Monate nach der Katastrophe von Rana Plaza

FEMNET-Spendenuebergabe im Anschluß an die Menschenkette am 24.08.2013Angehörige der Todesopfer von Rana Plaza sowie überlebende Verletzte des Unglücks forderten gemeinsam mit der NGWF (Nationale Gewerkschaft der Bekleidungsindustrie) unverzügliche Entschädigungszahlungen und Hilfen für die Familien der Todesopfer sowie für die verletzten Arbeiter_innen. Außerdem soll die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet werden.

Weitere Forderungen lauten:

  • Angemessene medizinische Versorgung und Behandlung der verletzten Arbeiter_innen des Unglücks,
  • Entschädigungen für die Kinder verstorbener Arbeiter_innen und
  • die Bereitstellung sicherer Arbeitsverhältnisse in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch.

Mit einer vor dem nationalen Pressegebäude geformten Menschenkette stellte Präsident Amirul Haque Amin mit Unterstützung weiterer Sprecher_innen der Gewerkschaft NGWF, wie u.a. der Generalsekretärin Safia Pervin, am 24. August 2013 die genannten Forderungen vor. Mehr als 100 Angehörige der Verletzten und Todesopfer, darunter auch Waisen, nahmen an der Kundgebung teil.

Die Sprecher_innen erinnerten daran, dass vor genau vier Monaten, am 24. April 2013, 1133 Arbeiter_innen der Bekleidungsindustrie bei dem Zusammensturz einer Textilfabrik in Rana Plaza ums Leben kamen sowie mehr als 1500 weitere Arbeiter_innen z.T. lebensgefährlich verletzt wurden. Aktuell befinden sich noch immer mehr als 100 der Verletzten in medizinischer Behandlung in unterschiedlichen Krankenhäusern in Dhaka. Einige von ihnen verloren bei dem Unglück ihre Hände, Beine oder andere Körperteile. Trotz Verpflichtungserklärungen der Regierung und weiterer verantwortlicher Stellen, innerhalb von drei Monaten finanzielle Entschädigungen an die Familien getöteter Arbeiter_innen zu zahlen und ihnen Notfallhilfe sowie Angebote zur Rehabilitation bereitzustellen, ist dies bis heute nicht geschehen. Die Opfer bekamen nicht einmal Notfallhilfe von der Regierung und anderen Stellen, wie den zuständigen Unternehmensverbänden BGMEA und BKMEA.

Mit erhöhtem Druck forderte die Gewerkschaft NGWF erneut unverzügliche Entschädigungen für die Familien der Opfer. Demnach sollen die Familien der Todesopfer jeweils 2,8 Millionen Taka (umgerechnet etwa 26.558 Euro) auf der Grundlage der Berechnung nach dem „Verlust des Verdienst“ bekommen. Jeder Verletzten sollte ein Minimum von 0,5 Millionen Taka (ca. 4742 Euro) gezahlt werden. Die Kosten müssen von etwa 30 Auftraggebern der Bekleidungsindustrie, den vier Besitzern der Textilfabriken in Rana Plaza, der BGMEA und der Regierung getragen werden.

Darüber hinaus dankte die NGWF den insgesamt 87 Unternehmen, darunter H&M, Inditex, Carrefour und Primark, für die Unterzeichnung des Accords „Bangladesh Building & Fire Saftey Agreement”, welcher zukünftig für die Sicherheit am Arbeitsplatz in der Bekleidungsindustrie sorgen soll. Allerdings haben die US-Konzerne Walmart, Gap, Target, Arkedia und weitere 14 amerikanische Auftraggeber den Accord bisher nicht unterzeichnet. Die Gewerkschaft forderte sie auf, dies unverzüglich zu tun.

Die Gewerkschaft rief auch dazu auf , dass der Hilfsfonds – Spendengelder - der Premierministerin für die Opfer von Tazreen und Rana Plaza genutzt wird. Sie forderte, eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche aus Teilen der Regierung, des BGMEA, den Gewerkschaften, Auftraggebern und der Zivilbevölkerung besteht, um unterstützende Maßnahmen für Verletzte und Familien zu koordinieren. Diese Gruppe solle transparent, haftbar und zugänglich für die Allgemeinheit sein


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