28.09.2013: Stellungnahme des Näherinnengewerkschaftsbundes (GWTUC) in Bangladesch zum Kampf um einen neuen Mindestlohn

Viele Menschen in Bangladesch und in der ganzen Welt wissen durchaus über die Not der vier Millionen NäherInnen von Bangladesch Bescheid.

Seit langem fordern ArbeiterInnen faire Löhne. In der jüngsten Vergangenheit kam es im Bekleidungssektor zu großen Demonstrationen und Streiks, um den Forderungen nach höheren Löhnen und der Durchsetzung anderer Leistungen Nachdruck zu verleihen. Der NäherInnen-Gewerkschaftsbund fordert 8000 Taka Mindestlohn für NäherInnen und entsprechende Anstiege auch in höheren Gehaltsklassen mit sofortiger Wirkung.

Erst kürzlich wurden beim Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes, in dem fünf Bekleidungsfabriken untergebracht waren, 1131 ArbeiterInnen getötet und tausende verletzt. Dieser Vorfall wie auch jener in der Tazreen-Fabrik und all die anderen Fabrikbrände und Betriebsunfälle, bei denen in den letzten Jahren tausende Menschen verbrannt oder getötet wurden, haben ein Licht auf die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen der NäherInnen geworfen. Diese ArbeiterInnen waren die Opfer von profitgierigen Arbeitgebern. Die vom Gesetz vorgeschriebenen Mindeststandards für Arbeitssicherheit galten für diese ArbeiterInnen nicht. Sozialleistungen, Urlaub und Feiertage, Arbeitsplatzsicherheit, Mindestlöhne und Gewerkschaftsrechte, die im Arbeitsrecht festgelegt sind, wurden ihnen vorenthalten.

Momentan erhalten NäherInnen in Bangladesch bedeutend geringere Löhne als NäherInnen in Nachbarländern. In Bangladesch verdienen NäherInnen weniger Geld, als ArbeiterInnen in anderen Bereichen als Mindestlohn erhalten. Sogar das Regierungsprojekt zur Armutsbekämpfung sieht 18.000 Taka als Mindestlohn für eine Familie vor.

Leider werden NäherInnen, sobald sie 8000 Taka Mindestlohn fordern und öffentliche Versammlungen und Demonstrationen organisieren, Opfer von Repressionen. Die ArbeiterInnen werden von der Polizei und von gemieteten Hooligans angegriffen, verhaftet, bedroht, entlassen und aus ihren Wohnungen gewiesen.

GWTUC fordert Arbeitgeber und Regierung auf, im Interesse des Arbeitsfriedens diese repressiven Maßnahmen zu beenden und umgehend zwei- und dreigliedrige Verhandlungen aufzunehmen, um einen Mindestlohn umzusetzen, wie er von den meisten Gewerkschaften gefordert wird.
So gut wie alle NäherInnen-Gewerkschaften und nationalen Gewerkschaftsverbände haben einen Mindestlohn von 8000 Taka oder mehr gefordert und werden darin von angesehenen Wirtschaftsexperten und Intellektuellen unterstützt. Wir fordern daher Eigentümer und Regierung auf, unverzüglich die Forderung der ArbeiterInnen zu akzeptieren und einen Existenzlohn von 8000 Taka zu gewährleisten.

Mantu Ghose, Präsident, Sadekur Rahman Shamim, Geschäftsführender Präsident, Ruhul Amin, Generalsekretär

HINTERGRÜNDE ZU DEN MINDESTLOHNVERHANDLUNGEN

Am 6. Juni 2013 berief die bangladeschische Regierung ein sechsköpfiges Mindestlohn-Gremium ein, um Empfehlungen für eine Revision des bangladeschischen Mindestlohns auszuarbeiten. Der Bericht des Gremiums wurde ursprünglich für Dezember erwartet, das wurde nun aber auf November vorverlegt (New Age Bangladesch 24.09.2013).

Am 18. August 2013 schlugen ArbeiternehmerInnenvertreterInnen dem Gremium einen neuen Mindestlohn von 8.114 Taka (77,33 Euro) vor.

Am 17. September 2013 bot die Arbeitgeberseite 3600 Taka (34,33 Euro) an. Die bangladeschische Regierung hat keine zeitlichen Vorgaben für Verhandlungen und Festlegung der Mindestlöhne. Die Mindestlöhne wurden zuletzt 2010 festgelegt. Das erste Lohngremium hatte 1994 einen Mindestlohn von 940 Taka (8,95 Euro), das zweite 2006 einen Mindestlohn von 1.662,50 Taka (15,84 Euro) festgesetzt. (Bangladeshnews.net)


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