29.07.2014 Konzerne in Deutschland steigern ihre Umsätze nach Rana Plaza – in Bangladesch erhalten viele Arbeiter_innen nicht einmal ihren Eid Bonus - Stand der Fabrikinspektionen

Eid Demo 2014An Eid – vergleichbar unserem Weihnachten – schließen alle Textilfabriken in Bangladesch und die Arbeiterinnen fahren aufs Land zu ihren Familien. Dafür benötigen sie ihren Eid-Bonus, eine Lohnzulage, die jährlich vor dem Festtag ausgezahlt wird. Dieses Jahr aber verweigerten viele Fabriken die Zulage und die Beschäftigten gingen leer aus. Die Ungewissheit, wann die Fabrik schließen, wann sie wieder öffnen und wann die Beschäftigten ihren Bonus erhalten würden, trieb Hunderte von Menschen in den Juli-Tagen zu Demonstrationen auf die Straße.

Inzwischen hat die von US-amerikanischen Unternehmen initiierte Alliance für Brandschutz und Gebäudesicherheit alle 587 Fabriken, die 26 US-Unternehmen beliefern, inspiziert und 10 davon teilweise oder ganz aus Sicherheitsgründen zur Schließung empfohlen bzw. geschlossen. Das von über 170 mehrheitlich europäischen Unternehmen unterzeichnete Abkommen „Accord“, das über 1.600 Fabriken überprüfen muss, hat bisher rund die Hälfte inspiziert und will bis Oktober die anderen 800 Fabriken überprüfen. Bei rund 14 Fabriken, also weniger als 2 Prozent der untersuchten 800 Fabriken, wurde eine - teilweise vorübergehende – Schließung empfohlen. Positiv ist die Veröffentlichung der Berichte auf den Webseiten der beiden Abkommen. Zum ersten Mal werden der Öffentlichkeit und damit auch den Gewerkschaften und Beschäftigten die Sicherheitsrisiken in ihrer Fabrik bekannt. Und diese sind teilweise gravierend. Es ist erschreckend zu lesen, dass Elektrokabel frei herumliegen, die Gewichtsbelastung einzelner Stockwerke zu hoch ist bzw. die tragenden Säulen zu dünn sind, Fluchtwege mit Türen zugesperrt sind oder Sprinkleranlagen fehlen.

Besonders schlimm erging es den Beschäftigten der Fabriken, die vor Eid schließen mussten. Zwar müssen laut Accord-Abkommen die Beschäftigten mindestens sechs Monate weiterbezahlt werden, doch die Realität sieht anders aus. Einige Fabrikbesitzer nutzten zudem die Gelegenheit und verweigerten den Arbeiter_innen ihren Eid-Bonus. Sie stehen ohne Lohn und ohne Eid-Geld da – und dies an ihrem größten Feiertag im Jahr.


Powered by JS Network Solutions