16.10.2015: 1 Jahr Bündnis für nachhaltige Textilien und zur Umsetzung öko-sozialer Standards in der globalen Lieferkette

1. Jahr Textilbündnis 2015. Foto: © Andrea Burckhardt, GIZ1. Jahr Textilbündnis 2015. Foto: © Andrea Burckhardt, GIZAm 16.10.2015 fand ein Jahr nach der Gründung die Mitglieder­versammlung des Bündnisses für nachhaltige Textilien statt.

Die Kampagne für Saubere Kleidung, FEMNET und weitere Träger­organisationen sind Mitglied im Textilbündnis. In einem aktuellen Statement erläutern sie weshalb sie sich an dem Bündnis beteiligen.

Position der Clean Clothes Campaign – Kampagne für Saubere Kleidung (CCC-D)

Während einerseits die Textil- und Bekleidungsindustrie durch Auslagerung der arbeits- und kostenintensiven Prozesse an Standorte mit niedrigen Umwelt- und Sozialstandards ihre Gewinne steigert, bleiben die Rechte der Beschäftigten auf der Strecke. Die Beschäftigten, die Mehrheit sind Frauen, erhalten keinen Lohn zum Leben (Living Wage) und zahlreiche grundsätzliche Menschenrechte bei der Arbeit (ILO-Normen und UN-Leitprinzipien für Menschenrechte, UNGPBHR) werden verletzt, internationale und nationale Gesetzgebungen werden missachtet und die Umwelt verschmutzt.

Initiativen, die ernsthaft einen nachhaltigen Wechsel zugunsten öko-sozialer Standards in der Lieferkette voranbringen wollen, müssen die Hauptursachen für die schlechten Arbeitsbedingungen und die Menschenrechtsverletzungen bzw. mangelnde Sorgfaltspflicht von Unternehmen adressieren. Hierzu gehören u.a. die negativen Auswirkungen der Beschaffungspraxis von Unternehmen wie z.B. überlange Arbeitszeiten, subcontracting und die Zahlung zu niedriger Löhne sowie die mangelnde Organisationsfreiheit.

Die Kampagne für Saubere Kleidung setzt sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie ein. Die Erfahrungen aus 20 Jahren zeigen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen sowie Kontrollen durch Audit-Unternehmen die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards nicht verbessert haben (s. a. Positionspapier des CorA Netzwerks für Unternehmensverantwortung "Wirtschaft und Menschenrechte - Erwartungen an einen deutschen Aktionsplan" (PDF-Datei). Der Einsturz von Rana Plaza in Bangladesch am 24.4.2013 zeigt dies eindrücklich. Wir setzen uns deshalb für gesetzliche Regelungen ein, die Unternehmen in Haftung nehmen können, wenn sie ihre Vorsorgepflichten verletzt haben.

Zusätzlich halten wir eine Mitarbeit an einem freiwilligen Bündnis, wie dem Bündnis für nachhaltige Textilien (kurz: „Textilbündnis“), für sinnvoll, weil es über (aktuell noch mangelhafte) gesetzliche Maßnahmen hinaus wichtige Impulse (wie z.B. die Zahlung existenzsichernde Löhne und die Betrachtung der gesamten Lieferkette anstatt nur der direkten Zulieferer) setzen kann. Der Mehrwert eines Textilbündnisses besteht zudem darin, dass es verschiedene Akteur_innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Ministerien zusammenbringt (Multi-Stakeholder-Ansatz) und ein verbindliches „Level Playing Field“ innerhalb einer Branche etabliert, das sich an hohen Zielvorgaben orientiert.

Der bestehende Aktionsplan des Textilbündnisses inkl. seiner Annexe setzt sich anspruchsvolle soziale und ökologische Ziele für die gesamte Lieferkette, jedoch muss seine Umsetzung erst noch konkretisiert werden. Die CCC-D sieht den Mehrwert des Textilbündnis gegeben, wenn es eindeutig messbare und von unabhängiger Stelle verifizierte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern gibt (z.B. Stärkung der Organisationsfreiheit in den Fabriken, höhere Löhne, weniger Frauendiskriminierung, weniger Überstunden). Um dies zu erreichen, werden die Mitglieder des Textilbündnisses „roadmaps“ erstellen, die mit Zeitzielen unterlegt sein müssen, über deren Umsetzung sie der Öffentlichkeit berichten.

Ein weiteres wichtiges Element ist Transparenz. Zum einen sind eine bessere Information der Verbraucherinnen und Verbraucher und die Schaffung von Klarheit im Dschungel der Siegel durch den Ausbau von glaubwürdigen Online-Tools nötig. Zum anderen sind alle Informationen über die Governance-Struktur des Textilbündnisses, die beteiligten Organisationen und Personen, die gebildeten Kriterien und ihre Anwendung sowie die gewählten Überprüfungs-Verfahren und ihre Ergebnisse transparent und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Kontakt:

Drei Mitgliedsorganisationen der Kampagne für Saubere Kleidung vertreten die Zivilgesellschaft im Steuerungskreis des Textilbündnisses:

Christliche Initiative Romero, Maik Pflaum, Tel.: 0911 – 214 2345 oder 0251 – 89 503, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

FEMNET, Gisela Burckhardt, Tel.: 0228-94499682 oder mobil: 01520 177 40 80, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

INKOTA-netzwerk , Berndt Hinzmann, Tel.: 030 42 08 202-0 oder mobil 0160 94 69 87 70, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Weitere Informationen unter:

www.saubere-kleidung.de

www.textilbuendnis.com

 

Stand 15.10.2015

 


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