15.07.2015: Zahlreiche Unternehmen beigetreten: wie geht es weiter mit dem Textilbündnis?

Textilarbeiterinnen in Bangladesch. Foto © G.BurckhardtTextilarbeiterinnen in Bangladesch. Foto © G.BurckhardtErst nach zähen Verhandlungen traten im Juni 2015 etliche Unternehmen dem Textilbündnis bei. Hatten sie dies doch bei Gründung des Bündnisses im Oktober 2014 noch verweigert. Der von ihnen mitentwickelte Aktionsplan war ihnen damals zu anspruchsvoll, während andere Unternehmen wie Hessnatur und Vaude sofort beitraten. Auch FEMNET ist an der Erarbeitung des Aktionsplanes von Beginn an beteiligt und im Interimsteuerungskreis vertreten. Aber was hat die Unternehmen letztlich bewogen, nun doch beizutreten?

 

Zu schnell, zu verbindlich

Zum einen schienen die Unternehmen zunächst von der Geschwindigkeit des Prozesses überfordert. Sie wollten Zeit, um die Inhalte des Aktionsplanes zu prüfen. Insbesondere die Verbindlichkeit der im Aktionsplan aufgeführten Zeitziele zur Erreichung von sozialen und ökologischen Standards für die gesamte Lieferkette ging vielen zu weit. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Produzenten teilweise nicht einmal kennen, fühlten sich überfordert. Erstmals sahen sie sich gemeinsam mit ihren Verbänden textil+mode und Germanfashion stark unter Druck gesetzt. Und erstmals – so scheint es – mussten sie sich intensiver mit Fragen der Arbeitsbedingungen bei ihren Produzenten beschäftigen. Rund ein halbes Jahr rangen die Unternehmen und ihre Verbände unter Hinzuziehung einer Consultingfirma um eine gemeinsame Position.

Prozessorientierung

Als Kompromiss einigte man sich darauf, stärker prozessorientiert auf Zielverfolgung zu setzen, dass die Ziele aus dem Aktionsplan aber nicht in Frage gestellt werden. Jedes Unternehmen ist aufgefordert, eine eigene Roadmap mit Zeitzielen zu entwickeln, an deren Zielverfolgung und Zielerreichung es sich messen lassen muss. Die Details dazu werden in den nächsten Monaten ausgearbeitet. Das gilt auch für die Kriterien, nach denen ein unabhängiges Aufsichtsgremium die Fortschritte der Mitglieder bewerten und diese für die Öffentlichkeit transparent machen soll.

Nächsten Monate sind entscheidend

Auch in Zukunft wird FEMNET den Prozess aktiv begleiten. Aber erst die nächsten Monate werden uns und der Kampagne für Saubere Kleidung zeigen, ob das Textilbündnis ernsthafte, verbindliche Ansätze hervorbringen wird. Nur wenn wir klar erkennen können, dass gemeinsame Schritte für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten – vor allem Frauen - entlang der gesamten Lieferkette unternommen werden, beteiligen wir uns auch in Zukunft. Verkommt das Textilbündnis jedoch zu einer Plattform von leeren Versprechungen und „Greenwashing“ werden wir es verlassen.

Seit Anfang Juli zählt das Bündnis 120 Mitglieder, darunter FEMNET, andere Mitgliedsorganisationen der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den DGB und viele Unternehmen.


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