Starke Frauen

Die Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) portraitiert neun Frauen aus Textilfabriken in Kambodscha und Bangladesch. Diese Frauen arbeiten unter den härtesten Bedingungen an Jeans, Kleidern und T-Shirts, die wir hierzulande tagtäglich gedankenlos von den Kleiderständern nehmen. Die Bekleidungsindustrie wird weltweit hauptsächlich von Frauen getragen: Sie kaufen die meiste Kleidung, arbeiten in Modegeschäften, sind auf Titeln von Modemagazinen und machen in den asiatischen Textilfabriken unsere Kleidung !

Um diese Frauen in tausend Kilometer Entfernung geht es in „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“. Gerne werden sie als Opfer dargestellt. Als passive Leidtragende, die wenig an ihrer Lebenssituation ändern können. Doch wir sollten mal genauer hinschauen: Die Ausstellung zeigt starke, selbstbewusste und kluge junge Frauen. Kurze Interviews gewähren uns Einblicke in ihren Arbeitsalltag und vermitteln uns einen Eindruck, woher diese Frauen die Kraft nehmen, sich für bessere Arbeitsbedingungen, sicherere Fabriken und einen gerechten Lohn einzusetzen – für sich selbst und für ihre Kolleg_innen.

Portraitiert wurden die Frauen in ihren Heimatstädten Ende 2013 von Marieke van der Velden, der Preisträgerin des holländischen Fotopreises Silberne Kamera.

FEMNET-Vorstandsfrau Gisela Burckhardt besuchte im September 2015 Bangladesch. Im Rahmen dieser Reise war es ihr möglich, sich mit einigen der in der Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ porträtierten Frauen persönlich zu treffen und mehr über ihre Lebensgeschichte zu erfahren:

Nurun Nahar (40 J.) aus Bangladesch

Nurun Nahar. Foto: © Marieke van der Velden Seit 1989 arbeitet Nurun in der Textilindustrie. „Ich begann als Gehilfin in einer Fabrik, in der für die Europäer Kleidung hergestellt wurde. Es war die niedrigste Arbeit mit dem niedrigsten Gehalt! Heute arbeite ich an der Nähmaschine.“ Neben ihrer Arbeit als Näherin ist sie Vizepräsidentin einer der größten Gewerkschaften in Bangladesch.

Weiterlesen ...

Kat Mea (30 J.) aus Kambodscha.

Kat Mea. Foto: © Marieke van der Velden Kat bringt den ganzen Tag Knöpfe an Hosen an. „Wenn ich den Besitzer einer deutschen Kleidermarke sehen könnte, dann würde ich ihm sagen, dass er dem Fabrikbetreiber hier einen ehrlichen Preis zahlen muss. Dann kann der uns gerecht entlohnen.“

Weiterlesen ...

Thy Phalla (25 J.) aus Kambodscha.

Thy Phalla. Foto: © Marieke van der Velden In der Fabrik, in der Thy arbeitet, werden vor allem Socken und Unterwäsche hergestellt. „Das sind viele Kartons voll mit Unterhosen.“ Sie arbeitet zehn bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Und wenn viel zu tun ist, sogar sieben. „Mein Grundgehalt sind 63 Euro. Zusammen mit einem Anwesenheitsbonus, Überstunden und Urlaubsgeld verdiene ich 95 Euro im Monat.“ Und das ist bei weitem nicht genug.

Weiterlesen ...

Kun Hon (23 J.) aus Kambodscha

Kun Hon. Foto: © Marieke van der Velden „Ich werde wütend, wenn ich an die Besitzer der Unternehmen denke, für die ich Kleidung mache. Sie sitzen in ihrem Büro und zählen das Geld, aber wir müssen uns abrackern für einen Hungerlohn. Am liebsten würde ich mich organisieren, damit wir alle in der Fabrik einen gerechten Lohn bekommen. Aber ich traue mich nicht, Gewerkschaftsmitglied zu werden.“

Weiterlesen ...

Mim Salma Akter (23 J.) aus Bangladesch

Mim Salma Akter. Foto: © Marieke van der Velden „Wenn ich wählen könnte, würde ich gerne anderen Menschen helfen, z. B. als Ärztin“, erzählt Salma. Seit ungefähr fünf Jahren arbeitet sie in der Bekleidungsfabrik. „Ich würde lieber was anderes machen. Irgendwas, wo ich Tageslicht sehe.“ Sie näht Reißverschlüsse in Kleidung. „Wenn der Druck hoch ist und eine Lieferung fertig werden muss, arbeite ich manchmal zehn oder elf Stunden am Tag.“

Weiterlesen ...

Shahnaz Akter (23 J.) aus Bangladesch

Shahnaz Akter. Foto: © Marieke van der Velden Shahnaz arbeitet sechs Tage die Woche von acht Uhr morgens bis neun Uhr abends in einer Bekleidungsfabrik. Pro Stunde näht sie hundert Kragen an Hemden an. „Ich finde es gut zu arbeiten. Ich sorge für mich selbst und ich kann alles. Ich finde es aber schlimm, dass mir z.B. vorgeschrieben wird, wann und wie lange ich auf die Toilette gehen darf. Du rennst auf die Toilette und schaust dabei auf die Uhr.“

Weiterlesen ...

Tania Akter (23 J.) aus Bangladesch

Tania Akter. Foto: © Marieke van der Velden „Ich mach alles was mit Jacken zu tun hat“, erzählt Tania. „Ich nähe mit einer Maschine Knöpfe und Reißverschlüsse in die Kleidung ein. Ich kann mir
nicht aussuchen, was ich tue“. Tania ist Gewerkschafterin und Ansprechpartnerin für 850 Gewerkschaftsmitglieder.

Weiterlesen ...

Daliya Shikdur (20 J.) aus Bangladesch

Daliya Shikdur. Foto: © Marieke van der Velden Daliya näht die Innennähte von ungefähr 130 Jeanshosen pro Stunde – für sechzig Euro im Monat. Wenn sie viele Überstunden macht, bekommt sie fünf Euro mehr. Als zum wiederholten Male ihr Bonus nicht bezahlt wurde, gründete sie ihre eigene Gewerkschaft. „Wir wollen eine jährliche Lohnerhöhung, sonntags frei, eine Begrenzung der Überstundenzahl und eine Kinderbetreuung.“ Dass eine junge Frau eine Gewerkschaft gründet, ist nicht selbstverständlich.

Weiterlesen ...

Chung Srey Sros (37 J.), aus Kambodscha.

Chung Srey-Sros. Foto: © Marieke van der Velden Sechs Tage die Woche, ungefähr zehn Stunden am Tag näht Chung unzählige Bündchen an Hosen fest. „Meine Arbeit – die finde ich schrecklich! Aber sie bringt Essen und deshalb muss ich sie tun.“

Weiterlesen ...


Powered by JS Network Solutions