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03.12.2018: Bündnisinitiative Tamil Nadu erfolgreich gestartet

Erschöpfte Mädchen in einer Spinnerei in Tamil Nadu, die tagsüber schlafen, da sie nachts gearbeitet haben. Foto: © FEMNETErschöpfte Mädchen in einer Spinnerei in Tamil Nadu, die tagsüber schlafen, da sie nachts gearbeitet haben. Foto: © FEMNETBonn. Am 01.07.2018 startete die Bündnisinitiative (BI) Tamil Nadu im Rahmen des Textilbündnisses, ein erster Fortschrittsbericht liegt inzwischen vor.

Die BI hat drei Komponenten:
a) Dialog,
b) Trainings der jungen Frauen in den Fabriken,
c) Trainings von Inspektoren.

FEMNET’s Partner SAVE führt maßgeblich die Trainings in rund 300 Spinnereien durch. Über 80 Trainer_innen aus 40 NROs wurden dafür ausgebildet.

Die Textindustrie gilt als „Powerhouse“ der Region und trägt maßgeblich zum ökonomischen Erfolg bei. Rund um die Metropolen des Bundesstaates gibt es etwa 2.000 Spinnereien, in denen zu 80 Prozent junge Frauen und Mädchen in drei Schichten Garne produzieren. Sie arbeiten hart und leisten oftmals viele Überstunden. Zudem stellt sexuelle Belästigung für sie eine Gefahr dar. Viele Mädchen und Frauen aus ärmeren indischen Regionen haben in den Spinnereien einen Arbeitsplatz gefunden. Sie sind allein gekommen und einigen fehlt der Rückhalt von Familie und Freunden. Häufig haben sie keine Anlaufstelle für Fragen und Beschwerden an ihrem Arbeitsplatz. Die wenigsten sind in Gewerkschaften organisiert

Zentraler Hebel ist der Dialog
Die Bündnisinitiative „Systemische Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Tamil Nadu“ widmet sich dieser Thematik und unterstützt seit vergangenem Juli die lokale Multi-Stakeholder-Initiative Tamil Nadu (MSI TN). Mit Hilfe der Nichtregierungsorganisation SAVE, einem Partner von FEMNET, werden die Maßnahmen vor Ort umgesetzt. Ein zentraler Hebel für Veränderungen ist dabei der konstruktive Dialog. In Tamil Nadu ist bestehendes Recht nicht immer eindeutig und wird bislang unzureichend durchgesetzt. Deshalb ist es wünschenswert, dass neben Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NROs) und lokalen Initiativen höherrangige Vertreter*innen der Regierung Tamil Nadus sowie führende Wirtschaftsverbände wie SIMA (Southern Indian Mills Association) oder TASMA (Tamil Nadu Spinning Mills Association) eingebunden werden.

Die Initiative baut einen regelmäßigen Austausch zwischen der Regierung, der Wirtschaft (Fabriken und Verbänden), NROs und Gewerkschaften sowohl auf Ebene des Bundesstaates als auch auf Ebene der vier Hauptproduktionsdistrikte auf. Dieser soll dabei helfen, ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis bei allen Anspruchsgruppen zu verankern und gemeinsam soziale Verbesserungen im Textilsektor in Tamil Nadu anzustoßen. Dabei sollen Dialogprozesse und -strukturen ausgebaut werden. Im Rahmen des Projektes sollen überdies zwei große Jahreskonferenzen unter Beteiligung der Bündnismitglieder in Tamil Nadu stattfinden. Daneben plant die Initiative mindestens sechs Dialogsitzungen auf staatlicher Ebene und zweimonatliche Treffen auf Distriktebene. Daran nehmen lokale Akteure aus dem privatem, öffentlichem und zivilgesellschaftlichem Sektor teil. 

Wissen und Bewusstsein bilden

Darüber hinaus arbeitet die Bündnisinitiative direkt mit den Menschen in den Fabriken. Einerseits sollen die Manager*innen für die Einhaltung elementarer arbeits- und menschenrechtlicher Standards sensibilisiert werden, zum anderen müssen die Arbeiter*innen ihre Rechte kennen und Zugang zu Beschwerdemechanismen erhalten. Deswegen werden seit November 2018 in 300 Fabriken, vor allem Spinnereien, umfangreiche Trainingsprogramme durchgeführt, bei denen Mitarbeiter*innen und Manager*innen über Beschwerdemechanismen sowie Arbeitsrechte und –standards informiert werden. Auf dieser Grundlage werden gesetzlich vorgeschriebene Beschwerde- und Schlichtungsgremien (Internal Complaints Committee, Grievance Redressal Committe) errichtet und besetzt. Um eine langfristige Funktionalität und Effektivität der neu gebildeten Gremien zu gewähren, werden die in geheimer Wahl gewählten Mitglieder zusätzlich geschult. Durchgeführt werden die beschriebenen Trainingsprogramme von insgesamt 80 Trainern aus 40 lokalen NROs, die im Rahmen eines „Training of Trainers“ die nötigen Kenntnisse und Qualifikationen erlangen, um anschließend selbst Trainings in Fabriken durchzuführen.

In Zusammenarbeit mit der Regierung Tamil Nadus sollen zusätzlich insgesamt 40 staatliche Arbeitsinspektor*innen geschult werden, um die Qualität der Prüfungen in Fabriken und Unterkünften der Arbeiter*innen zu verbessern.

Bis Februar 2020 wird die Bündnisinitiative Arbeiter*innen in den 300 Spinnereien in Tamil Nadu das nötige Wissen vermitteln, wie sie sich gegen schlechte Behandlung wehren und ihre Rechte durchsetzen können. Der Wunsch ist es, dass die systemischen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen so wirken, dass sie durch die Multiplikatoren, die in den Prozess eingebunden sind, auch weitere Kreise ziehen.

 

Stand: 11/2018