Hintergrund zum Kita-Projekt mit CIVIDEP

CIVIDEP Proteste im Mai 2016. Foto: © CIVIDEPCIVIDEP Proteste im Mai 2016. Foto: © CIVIDEPDie an dem Projekt beteiligten Fabriken stehen beispielhaft für die Probleme der Bekleidungsindustrie in Bangalore: sehr hohe Produktionsquoten, kein existenzsichernder Lohn, immer wieder Diskriminierungen und zum Teil sogar sexuelle Belästigungen der Arbeiter_innen. Der Mangel an Kinderbetreuung und ausreichendem Mutterschutz sind Hauptgründe für die hohe Fluktuation von Belegschaften in den Fabriken, da fast 90% Prozent der Arbeiter_innen im Textilsektor Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren sind und entsprechend in der reproduktiven Altersgruppe. Die meisten Arbeiterinnen sind junge Frauen mit niedrigem Bildungsniveau aus armen, ländlichen Gebieten.

Der Mindestlohn für Textilarbeiter_innen beträgt in Karnataka (mit der Hauptstadt Bangalore) umgerechnet ca. 71 EUR (Asia Floor Wage berechnet für Bangalore einen Existenzlohn von umgerechnet 195 EUR). Viele Frauen müssen zusätzliche Überstunden machen, andere Arbeit annehmen oder sich verschulden. Das Arbeitspensum ist durch den Termindruck der Auftrag gebenden Modemarken sehr hoch, die verlangten Quoten kaum zu bewältigen.

Wer sich weigert, Überstunden zu machen, muss mit Entlassung rechnen. Allerdings werden Überstunden nur selten bezahlt, der genaue Lohn, der den Arbeiter_innen zusteht, wird ihnen verschwiegen und die Auszahlung der Löhne erfolgt oft mit großer Verspätung. Das Fehlen von Betreuungseinrichtungen für Kinder unter 6 Jahren stellt die arbeitenden Mütter vor große Schwierigkeiten und bedeutet eine zusätzliche große Belastung.

Die Kinder werden häufig bei den Großeltern oder sogar allein zu Hause gelassen und haben keine Chance auf frühkindliche Bildung oder Entwicklungsmöglichkeiten. Auch fehlende medizinische Betreuung schwangerer Arbeiterinnen und die mangelnde Umsetzung von Mutterschutzgesetzen erschweren den Alltag arbeitender Mütter zusätzlich.


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