Hintergrund: Der indische Textilsektor

Indiens Textilsektor ist einer der größten Produzenten von Kleidung für westliche Länder.  Die Stadt Bangalore steht bei der Produktion von Kleidung in Indien an zweiter Stelle - andere wichtige Städte sind Delhi, Mumbai, Tirupur und Chennai - und die Fabrikarbeiterinnen sind bekannt für ihre hochwertige Arbeit.

Bangalores Bekleidungsindustrie entstand vor 40 Jahren. Nach der Landwirtschaft bietet diese Industrie am meisten Arbeitsplätze und bringt die höchsten Deviseneinnahmen für die Region. Charakteristisch für die Fabriken in Bangalore ist:

  • Alle Prozesse (vom Schneiden des Stoffes bis zum Verpacken der fertigen Kleidung) finden unter einem Dach statt.
  • Im Durchschnitt arbeiten 1000 Menschen in einer Fabrik.
  • Es gibt nur wenige Kurzzeitbeschäftigte

Als sich die Produktion von Kleidung mehr und mehr nach Asien verlagerte, verabschiedeten die Industrieländer das "Multi Fiber Arrangement" (MFA), das den Export von Kleidung in westliche Länder einschränkte und so die europäische Bekleidungsproduktion gegen die Billigkonkurrenz aus Asien schützte. Das MFA endete 2004 und Exporte aus Bangalore nach Europa und USA nahmen daraufhin stark zu. Dies führte zu einem Boom der Bekleidungsindustrie und viele Frauen vom Land kamen auf der Suche nach Arbeit in die Textilfabriken von Bangalore.

Diese ersten Arbeiterinnen - 90% der Beschäftigten sind Frauen - gehörten zur ersten Generation der Fabrikarbeiterinnen und ihnen fehlte ein Bewusstsein dafür, sich organisieren oder mit ihren Arbeitgebern verhandeln zu müssen. Außerdem kannten sie ihre Rechte nicht. Deshalb fiel es ihnen schwer, vereint für ihre gemeinsame Sache zu kämpfen - einen fairen Lohn und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Hier setzt(e) Munnade an.

Neue Entwicklungen

Der Wettbewerbs- und Preisdruck unter Firmen wirkt sich stark auf die Beschäftigten aus. Die Kritik von KonsumentInnen in Industrieländern an den Arbeitsbedingungen in Indien führte dazu, dass viele Firmen sich eine "Corporate Social Responsibility"-Agenda zulegten. So werden Kontrollen (social audits) durchgeführt.   Leider führen diese Kontrollen aber nicht zu wesentlichen Verbesserungen: Die meisten Arbeitgeber verbieten Gewerkschaften und jede Form der Organisation in der Fabrik. Viele ArbeiterInnen bekommen noch nicht einmal den von der Regierung festgesetzten Mindestlohn ausgezahlt.

Gleichzeitig ist das Arbeitspensum durch den Termindruck und die ambitionierten Produktionsziele sehr hoch, Überstunden und Krankheitstage werden selten bezahlt und Belästigungen am Arbeitsplatz kommen häufig vor.


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