Wichtige Zahlen und Fakten zu Kambodscha

Bevölkerung (2013): 15,2 Millionen
Bekleidung – Exportanteil in % (2012): 85 %
Anzahl der Textilfabriken: 300 - 400
Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie (2013): ca. 500.000, davon 90 % Frauen
Mindestlohn (2014): 402.115 Riel (79 €)/Monat
Existenzlohn nach Berechnungen von Asia Floor Wage (2013): 1.582.668 Riel (300 €)/Monat

Die Bekleidungsindustrie in Kambodscha

Die kambodschanische Bekleidungsindustrie konzentriert sich in und um die Hauptstadt Phnom Penh und hat sich in den letzten 25 Jahren zu einem bestimmenden Faktor für die Wirtschaft des Landes entwickelt. Rund 85 Prozent der Fabriken gehören chinesischen, taiwanesischen, singapurischen und malaysischen Investoren. Sie sind in den 1990er Jahren ins Land gekommen, um von den Billigarbeitskräften und dem uneingeschränkten Zugang des Landes zu US- und EU-Märkten zu profitieren.

Frauenarbeit, Hungerlöhne und Überstunden

In der Bekleidungsindustrie Kambodschas sind ca. 90% Arbeiterinnen im Alter von 18-35 Jahren beschäftigt, die aus ländlichen Gegenden in die Stadt kommen. Sie erhoffen sich ein Einkommen, mit dem sie sich und ihre Familien ernähren können. Die Wirklichkeit sieht jedoch oft ganz anders aus. Viele dieser Frauen haben Kinder und Familien, die sie unterstützen müssen. Die Reallöhne in der kambodschanischen Bekleidungsindustrie sind zwischen 2001 und 2011 um 19 Prozent gesunken, Mindestlohnerhöhungen gleichen die Inflation nicht aus, denn die Kosten für Wohnen, Essen, Kleidung, Bildung, Transport und Gesundheit sind angestiegen. Anfang 2014 erhöhte die Regierung den Mindestlohn auf 100 US $ (79 Euro), die Arbeiter_innen verlangen aber 177 US $ (140 Euro), um überleben zu können. Die Asia Floor Wage Alliance hat einen Existenzlohn von 285 Euro für Kambodscha errechnet. Die Regierung hat angekündigt, den Lohn im Jahr 2015 auf 128 US $ (103 Euro) anheben zu wollen.

Exzessive Überstunden & befristete Verträge

Die schlechte Bezahlung und die Angst vor Kündigungen zwingen die Arbeiter_innen zu übermäßig vielen Überstunden. Dadurch erhoffen sie sich, zumindest ihre Grundbedürfnisse befriedigen zu können. Extrem lange Arbeitswochen mit 70 Stunden und mehr sind üblich. Arbeitgeber nutzen die kurze Befristung von Verträgen als Druckmittel, um sich das Auszahlen von Zuschüssen, wie Mutterschaftsleistungen, zu sparen und Gewerkschaftsbeitritte zu verhindern.

Unterernährung

Armutslöhne führen bei vielen kambodschanischen Näher_innen zu gesundheitlichen Problemen durch unzureichende Ernährung. Sie können sich keine ausreichend kalorienhaltigen Lebensmittel leisten. In zahlreichen Fabriken kommt es immer wieder zu Ohnmachtsanfällen von Näherinnen, weil die Frauen unterernährt sind. Eine durchschnittliche Näherin nimmt am Tag nur 1598 Kalorien zu sich – die Hälfte der empfohlenen Kalorienmenge für eine Arbeiterin. Die geringen Löhne verhindern, dass ausreichend Nahrung gekauft werden kann, um die Gesundheit zu gewährleisten.

Gewalt gegen protestierende Arbeiter_innen

Anfang Januar 2014 demonstrierten Zehntausende von Textilarbeiter_innen gegen eine zu geringe Erhöhung des Mindestlohns der Regierung. Die Polizei ging gegen die streikenden Arbeiter_innen gewalttätig vor: vier Menschen starben, 38 wurden verletzt. 23 Streikende wurden inhaftiert, geschlagen und nach 140 Tagen zwar frei gelassen, aber für schuldig befunden. Ihnen drohen bis zu vier Jahre Haft. Auch früher ging die Polizei schon gewalttätig gegen Protestierende vor: Im Februar 2012 erschoss ein Regierungsbeamter drei demonstrierende Arbeiter_innen bei Protesten vor einer Puma-Zulieferfabrik. Im November 2013 schoss die Militärpolizei in einen Marsch streikender Arbeiter_innen, die für Gap und H&M Kleidung nähten.


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